Die senegalesische Regierung möchte 14.000 Dörfer zu Ökodörfern umwandeln, um diese zukunftsfähig zu machen.

Baobab-Baum – solche beeindruckenden Bäume schmücken unter anderem die Landschaft Senegals.
© Jerzy / pixelio.de
Kosha Joubert und ihre Kollegin Jane Rasbash reisen in Vertretung des
Global Ecovillage Networks (GEN) und des Bildungsinstituts Gaia Education gemeinsam mit dem amtierenden Präsidenten von
GEN-Afrika,
Ousmane Pame, sowie senegalesischen Regierungsvertretern, Aktivisten
der Zivilgesellschaft, Wissenschaftlern und den spirituellen Führern
einer Sufi-Stiftung durch Senegal, um sich von der Lage vor Ort ein Bild
zu machen. Ihr Weg führt unter anderem nach Backombel, eines der
Pilotprojekte des senegalesischen Regierungsprogramms für die
Entwicklung von traditionellen Dörfern zu nachhaltigen Ökodörfern.
Dort
konnten die Besucher sehen, wie sich Tradition und moderne Technik
verbinden. Solarsysteme sorgen für Licht auf den Straßen und in
Wohnhütten. Die Dorfbewohner zahlen einen kleinen Betrag für ihre
Beleuchtung und ermöglichen somit der Dorfjugend eine Chance auf
Ausbildung und Arbeit. In Sachen Kochtechniken zeigen die Frauen des
Dorfes stolz die Vorteile, die sich durch die Neuheiten gewinnen ließen.
Verschiedenste Methoden treffen aufeinander, womit eine Kombination von
Lehmöfen, verschiedenen Solarkochern und Biogas von ihren eigenen
Tieren entsteht.
Die Frauen entwickelten das Lehmofenmodell in
gemeinsamer Arbeit mit der
Universität von Dakar,
indem sie den Forschungsergebnissen ihr Graswurzelwissen beisteuerten.
Im Dorf werden diese Öfen hergestellt und vertrieben, wodurch neue
Einnahmequellen entstehen.
Noch mehr Neuheiten fallen den Besuchern ins Auge:
Bei einem Rundgang
konnten sie Wiederaufforstungsprogramme, klimagerechte Anbauformen in
Gemeindegärten, ökologische Architekturexperimente, Züchtungen von
lokalen Hühnersorten und intelligente Wasserauffangsysteme bestaunen. In
der dortigen Schule gibt es auch einen Computerraum, der den Kindern
und Erwachsenen ermöglicht sogar das Word Wide Web zu erforschen. In
Backombel kann man demnach sehen, wie sich Tradition, Innovation und
Moderne vermischen und eine Harmonie aus Graswurzel- und
Regierungsansätzen bildet. Hier sieht man mal wieder, wenn alle
zusammenhalten und die Dinge im Gleichgewicht bleiben, trägt es
“erfrischende” Früchte.
Bevor ein Dorf in das Ökodorfprogramm aufgenommen wird, müssen
verschiedene Erfordernisse erfüllt werden. Die Bevölkerungsgruppen
müssen zuerst ihre Zustimmung geben, dabei werden die Ältesten, sowie
Männer, Frauen und Jugendliche befragt. Ihre Zustimmung beinhaltet, dass
ein gewisser Teil des traditionell gemeinschaftlich gehaltenen Landes
für die Wiederaufforstung zur Verfügung gestellt wird. Die aufgebaute
Infrastruktur im Dorf steht auch den umliegenden Dörfern zur Verfügung.
Es wird ebenso gespart, das heißt, dass von allen Einnahmen ein
bestimmter Prozentsatz zurückgelegt wird, um in eventuellen
Krisenzeiten, aber auch als Initialfinanzierung für weitere Projekte,
darauf zurück gegriffen werden kann.
Wie sich solch ein Projekt auf
lange Zeit auswirkt, wird sich erst noch zeigen. Erste Schritte
jedenfalls sind getan.
Die anfangs genannte Gruppe setzte ihren Weg aus Backombel fort, um
sich mit 40 Bürgermeistern und Landräten der hiesigen Region Sandiara zu
treffen. Feierlich und traditionell im Schatten eines riesigen
Baobab-Baums, wird eine Petition unterzeichnet, die den Umbau weiterer
Dörfer ihrer Region in Ökodörfer unterstützt. Auch als die Gruppe bei
den drei Ministern für Umwelt, Landwirtschaft und Gemeindeentwicklung
eintrifft, erklärt jeder von ihnen seine Unterstützung für eine
Global-Ecovillage-Konferenz im Senegal im Jahr 2014.
Somit sei der
Senegal das weltweit erste Land, das das Konzept von Ökodörfern
konsequent für eine nachhaltige Entwicklung anwendet.
Man hoffe und ist guter Dinge, dass Afrika trotz Modernisierung, aber
durch den Erhalt wichtiger Tradition, unter die auch Gastfreundschaft,
Großzügigkeit und Nächstenliebe fällt, nicht in die Fußstapfen des
Nordens treten werde, sondern einen eigenen Weg in die Zukunft entwirft.
Nicht nur
im Senegal ist man vom Ökodorf-Programm angetan,
auch andere Länder, über den Kontinent hinaus, lassen sich davon
inspirieren. Zum Beispiel hat die Regierung Thailands bereits ihr
Interesse angemeldet, ganze Provinzen in Ökodörfer umzuwandeln.
GEN hat in den letzten fünf Jahren das Konzept der Transformation von
Dörfern verstärkt. Das Augenmerk liegt immer stärker auf dem
Zusammenbringen zwischen intentionalen und traditionellen
Gemeinschaften. So bietet GEN Räume für einen Süd-Nord-Dialog. Was
bedeutet, dass lokalen Gemeinschaften die Möglichkeiten nutzen können,
ihre eigene Zukunft zu entwerfen. Kosha Joubert, Vorstandsvorsitzende
von GEN Europe schreibt: “Der tiefe Schmerz unserer miteinander
verwobenen Geschichte des Kolonialismus, die Gefühle von Wut und Schuld,
die Sehnsucht nach Vergebung und Versöhnung sind alle Teil dieser
Heilung verheißenden Reise.”
Diesen Worten ist nichts hinzuzufügen. Den ausführlicheren und
einfühlsam geschriebenen Artikel, der mehr Einblick und Tiefe verleiht,
geschrieben von Kosha Joubert, könnt ihr unter folgendem Link:
oya-online.de nachlesen.
Weil es so schön ist, gleich noch eine gute Nachricht aus Afrika:
Kenias Landwirtschaft setzt auf Nachhaltigkeit gegen den Hunger.
Die Regierung Kenias will auf eine nachhaltige Landwirtschaft
umstellen. Eine aktuelle Studie im Auftrag
der Welternährungsorganisation (FAO), geleitet von dem Schweizer Experte
Hans Herren, untersucht derzeit die Möglichkeiten für eine nachhaltige
Landwirtschaft. Er ist davon überzeugt, dass durch die richtige Methode
des Landbaus der Hunger gestoppt werden könnte. In Kenia gäbe es bereits
vielversprechende Beispiele. Aber nicht nur Kenia sondern auch
Äthiopien und Senegal haben sich dazu bereit erklärt, als Pilotländer
für ganz Afrika zu dienen.
Das freut ungemein! Man kann nur wünschen, dass die richtigen
Methoden greifen und den Menschen helfen werden, nicht mehr hungern zu
müssen. Vielleicht schlägt auch hier ein biologischer Anbau ein, wie
beispielweise
im Norden Indiens, wo eine Rekordernte nach der anderen folgt, als man zur sogenannten SRI-Anbaumethode wechselte.
Quellen: oya-online.de; wissen.dradio.de
Herzlichen Dank für die Tipps, liebe Mika! :-)
Quelle und Dank an: http://www.gute-nachrichten.com.de